01.09.03

Die Nahrungskette

Vor Jahren, ich denke es war 1978, war Uli in Venezuela, zu Besuch bei einem befreundeten Indianerstamm. Nachdem es sich um einen sehr naturnahen Stamm handelte, gab es in deren Dorf weder Dusche noch fließendes Wasser. Als Toilette diente eine Stelle im Wald, eine Art Erd-Latrine, die aber erstaunlich sauber war. Natürlich musste auch Uli diesen Ort benutzen. Als er da so hockte und seine Geschäfte verrichtete, tauchte plötzlich die indianereigene Sau auf. Sie stellte sich vor ihn hin und fixierte ihn. Uli erschrak. Er war natürlich in einer Lage, in der er nicht flüchten konnte. Zusätzlich verhinderte die aufkommende Nervosität eine Beschleunigung der Geschäfte. So harrte er tapfer aus - so ruhig wie es in einer solchen Situation gerade noch möglich ist - permanent beobachtet von dem ungeduldig grunzenden und scharrenden Tier. Als er endlich fertig war, stürzte dieses sich wie wild auf seine Exkremente .... und aß sie auf. Komplett.

Am übernächsten Tag musste Uli weiterreisen. Zu seinen Ehren veranstalteten die Indianer ein kleines Abschiedsfest. Das Essen wurde aufgetragen – und Uli erstarrte. Die toten Augen der am Spiess gebratenen Sau blickten ihn an.

Ja - so ist der Kreislauf der Natur – und manchmal ist die Nahrungskette äußerst kurz.

Posted by L9 at 17:29 | Comments (3) | Ulis Erlebnisse